Bad Zwischenahn, 17.5. - 21.5.2011
Es ist nicht zu überhören, wenn die Segler trainieren. "Baumniederholer dicht! Fockholepunkte höher! Dreieck nach Luv!" Die Szenerie gleicht sich immer: einer ruft laute Kommandos gegen den Wind und das Motorengeräusch des Trainerbootes und ein anderer zieht danach auf seiner Jolle an einer Strippe. Bis zum "OK!"
Offen bleibt in diesem Moment die Frage: warum eigentlich?
Das 5tägige Training auf dem Zwischenahner Meer war in gewisser Weise "theoriebasiert", denn nach den Trainingseinheiten auf dem Wasser hat Michael Köritz Filme und Fotos vom Training gezeigt, in denen die Trimmanweisungen nachträglich noch einmal erläutert und diskutiert wurden. Von außen sieht man einfach viel besser, ob das Großsegel genügend Twist hat oder ob die Düse zwischen Fock und Groß zu dicht ist. Selbst die Sitzposition von Steuermann und Vorschoter sieht von außen irgendwie anders aus (also immer: schlimmer) als von Bord. Warum das Groß unterhalb einer kritischen Windstärke aber twisten soll und das Dreieck nach Luv gezogen wird, warum die Crew ihr Gewicht zentrieren muß und warum der Baumniederholer das "Gaspedal" ist, konnte nach dem Wassertraining im Restaurant des ZSK noch in Ruhe besprochen werden.
Auf dem Wasser gab es viele Anleitungen für das Training auf dem heimischen Revier. Die 5 Tage brachten Windstärken von 0 bis 5 Bft, so dass unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gesegelt werden konnte. Das Revier ist auch groß genug, so dass es sich für Trimmfahrten mit mehreren Booten eignet. Trainiert wurden die "Basics", zu Beginn vor allem die Wenden und Halsen unter Spinnaker. Hier gab es jeweils "Einzelunterricht" auf dem Wasser.
Auch die langen Schläge an der Kreuz waren sehr aufschlußreich. Endlich haben wir herausgefunden, warum wir ständig die Windkante verlieren. Wenn die Crew mit Blick auf den Quertrimm auch nur etwas zu spät auf Windstärkenänderungen reagiert, fängt das Boot an, um die Windkante herum zu pendeln - sei es, das man zu hoch anluvt, um Druck aus dem Segel zu nehmen oder zu stark abfällt, um eine Luvkrängung zu vermeiden. Nachdem uns das im Gespräch mit anderen - die das Problem auch kannten - klargeworden ist, konnten wir an der Kreuz fast schon "anständig segeln". Am ersten Tag wehte es allerdings mit 5 Bft., in den Drückern ging es nur um "Survival". "Egal, welche Feinstellung beim Trimm ihr fahrt - ihr müßt lernen, mit diesen Bedingungen fertig zu werden" war die Tageslosung des Trainers. Als Steuermann wird einem dabei schnell klar, dass es unklug ist, die Großschot zu belegen und in der Böe zu versuchen, die Schot aus dem Block zu bekommen. Auch wenn das einige Male gut geht, der Kraftaufwand ist enorm. Michael hat uns gezeigt, wie er die Großschot bei solchen Bedingungen fährt, ohne sie zu belegen.
Die Spinnakerhalsen führten dann bei zwei Crews dazu, dass sie ihr Boot besser kennen lernten, denn die Funktion der Klemme neben den Wantenpüttings war bis zu dem Moment unklar, als es galt, die Halsen mit stehendem Spi zu fahren...
Besonders anstrengend: das Starten aus der Parkposition vor der Startlinie heraus. Wenn man das mit anderen zusammen trainiert, kriegt man jeden Fehler sofort heimgezahlt. Ohne Druck im Segel oder gar auf dem falschen Bug segelt es sich einfach nicht so schnell. Neben diesen kleinen Rennen wurde am Mittwoch abend noch eine Regatta zusammen mit anderen ZSK-5o5er-Seglern gesegelt, so dass es von der Teilnehmerzahl her fast für eine Ranglistenregatta gereicht hätte.
Danke an dieser Stelle noch einmal an unseren Trainer Michael Köritz, der mit viel Engagement und Sachverstand dafür gesorgt hat, dass keine Lücken im Tagesablauf entstehen konnten. Auf deutsch: der Mann kennt keinen Feierabend! Zum Glück war gerade Neumond, sonst wären wir nachts auch noch weiter gesegelt...